Im Rahmen der Kampagne „Kassel entrüsten!“ finden nicht nur viele Aktionen sondern auch Vorträge & Diskussionen statt – jeweils alle zwei Wochen um 19 Uhr wechselnd im Kollektiv Café Kurbad „Jungborn“ (Sternstraße 20) und der Universität (Nora-Platiel-Str. 6 Raum 0211) in Kassel. Der Eintritt ist frei!



29. Mai 2017 | 19 Uhr | Kollektiv Café Kurbad „Jungborn“, Sternstraße 20 | Malte Lühmann (Informationsstelle Militarisierung – IMI): Der Krieg beginnt hier – Waffen aus Kassel in aller Welt

Kriege und bewaffnete Konflikte bestimmen die Schlagzeilen: Das Blutvergießen in Syrien und der Ukraine setzt sich fort, der türkische Staat kämpft gegen die Kurden, in Nordafrika herrscht vielerorts Gewalt. Auch wenn diese Orte scheinbar weit weg sind, beginnt der Krieg doch genau vor unserer Haustür. Denn neben der direkten Kriegsbeteiligung befeuern Länder wie Deutschland das Töten in aller Welt vor allem mit immer neuen Waffen wie Panzern, Raketen oder Kriegsschiffen. Bei ihrer Produktion spielt Kassel eine wichtige Rolle. Dieser Vortrag beleuchtet die Verbindungslinien von den lokalen Strukturen der Rüstungsstadt Kassel, nach Osteuropa, in die Türkei, nach Mali oder in den Jemen.
Malte Lühmann ist Politikwissenschaftler und Beirat der Informationsstelle Militarisierung (IMI) e.V. In Kassel ist er seit den Protesten gegen den Irakkrieg 2003 aktiv gegen Krieg, Militär und Rüstung.



12. Juni 2017 | 19 Uhr | Universität Kassel, Nora-Platiel-Str. 6 Raum 0211 | Jackie Andres (IMI): Europas Migrationsabwehr: Die Militarisierung des Mittelmeers

Seit Jahrzehnten schreitet die Militarisierung entlang Europas inneren, äußeren und vorverlagerten Grenzen voran. Mittlerweile patrouillieren die Streitkräfte unterschiedlicher Staaten im Rahmen einer EU- und zwei NATO-Missionen das Mittelmeer, Grenzzäune und Kontrollen an den inneren Grenzen zwingen Migrant_innen zu gefährlichen Reisewegen innerhalb der EU und die Vorverlagerung der EU-Grenzen nach Jordanien oder die Sahelzone entzieht schutzsuchenden Menschen zunehmend ihr Recht auf Ausreise. Die Profiteure dieser Militarisierung sind zahlreich und quer durch Europa auffindbar – auch in Kassel?
Jacqueline Andres, MA, ist Beirätin der Informationsstelle Militarisierung e.V. in Tübingen. Sie beschäftigt sich u.a. mit Stützpunkten im Mittelmeer und der Militarisierung der EU-Migrationspolitik.



26. Juni 2017 | 19 Uhr | Kollektiv Café Kurbad „Jungborn“, Sternstraße 20 | Elise Kopper (Netzwerk Friedenskooperative): Gender, Krieg und Frieden(sbewegung) – Welche Rolle spielen Geschlechterrollen in unserer Friedensarbeit?

Gender, das sog. „soziale Geschlecht“, ist eine der zentralen Kategorien, die unsere Gesellschaft strukturieren. Auch und gerade im Kontext von Krieg und Frieden spielt es eine wichtige Rolle. Im Vortrag kommen Themen wie militarisierte Männlichkeit, sexualisierte Kriegsgewalt, Geschlechterrollen in Friedensprozessen oder Geschlecht und Sexualität in der Bundeswehr zur Sprache. Wir werden aber auch einen Blick auf die internen Strukturen der Friedensbewegung werfen: z.B. auf die Vereinbarkeit von Familie und Ehrenamt oder die Sichtbarkeit von Frauen und Männern bei friedenspolitischen Veranstaltungen.
Elise Kopper hat Politik- und Rechtswissenschaften sowie Friedensforschung studiert. Sie arbeitet in der Friedensbewegung und ist Mitglied der AG Gender&Frieden im Bund für Soziale Verteidigung.



10. Juli 2017 | 19 Uhr | Universität Kassel, Nora-Platiel-Str. 6 Raum 0211 | Thomas Mickan (Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen – DFG-VK/IMI): Die UN und der neue Militarismus

Die Vereinten Nationen gelten in Fragen von Krieg und Frieden gerade in links-liberalen Kreisen als Alternative zu den Einsätzen der NATO oder Bundeswehr. Doch wie ist es um diese Alternative gestellt und wie bahnt sich mit und gegen die UN ein neuer Militarismus den Weg, der unsere Vorstellungen von der „guten“ UN auf der einen Seite und der „schlechten“ NATO auf der anderen Seite in Frage stellt? Anhand der Frage von „Ertüchtigung“ soll diskutiert werden, welche sicherheitspolitischen Vorstellungen die Debatte um die UN bestimmen und wie die UN darin verwickelt ist. Anhand verschiedener Beispiele wird illustriert, wie die UN zu einer wirklichen Triebfeder für eine friedlichere Welt werden kann und wie dabei einige Vorstellungen zu ihrer Rolle über Bord geworfen werden sollten.
Thomas Mickan arbeitet für die Informationsstelle Militarisierung (IMI) und die Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen. Er forscht zum Thema Militärkritik u.a. im AK herrschaftskritische Friedensforschung der Arbeitsgemeinschaft Friedens- und Konfliktforschung.



24. Juli 2017 | 19 Uhr | Kollektiv Café Kurbad „Jungborn“, Sternstraße 20 | Vera Lebedeva (IMI): Bundeswehr & Umweltschutz: Grüner Tarnanstrich fürs Militär?!

„Umweltfreundlich“, damit wirbt die Bundeswehr zuweilen, wenn sie ihr Image aufpolieren muss. Der Widerspruch, dass einer der größten Umweltsünder grün wird, kann jedoch nicht aufgehoben werden. Die Bundeswehr betreibt hier sogenanntes „Greenwashing“. Deutlich kann den Widerspruch dabei mit ehemaligen sowie aktiven Truppenübungsplätzen wie Münsingen oder der Colbitz-Letzlinger Heide illustriert werden. Was genau ist „Greenwashing“ und wie sieht es bei der Bundeswehr aus? Was passiert mit der Natur auf den Truppenübungsplätzen während und nach der militärischen Nutzung? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der aktuelle Vortrag.
Vera Lebedeva, geboren im Februar 1992 in einer sibirischen Stadt Kemerowo, Russland. Bachelorabschluss in „Internationalen Beziehungen“ an der MGIMO-Universität in Moskau. Derzeit Masterstudentin der Friedensforschung und internationaler Politik an der Uni Tübingen.



7. August 2017 | 19 Uhr | Universität Kassel, Nora-Platiel-Str. 6 Raum 0211 | Christopher Schwitanski (IMI): Die strategische Kommunikation der Nato – zwischen Öffentlichkeitsarbeit, Propaganda und Kriegseinsatz

Die Kommunikations-Konzepte der Nato zielen einerseits auf die Bevölkerung im Kriegsgebiet, welche vom eigenen Narrativ überzeugt werden soll und andererseits auf die Truppen stellenden Staaten, um Akzeptanz und Unterstützung für Kriegseinsätze zu erhöhen. Im Vortrag wird die Kommunikationsaktivität der Nato nachgezeichnet und ihr Einsatz als Kriegsmittel sowie ihre Relevanz für Kriegslegitimation und Militarisierung diskutiert. Ein weiterer Schwerpunkt wird auf der Kooperation zwischen Nato und EU im Bereich strategischer Kommunikation liegen.
Christopher Schwitanski studiert in Augsburg Sozialwissenschaften und zuvor in Landau Psychologie. Er ist Mitglied der Informationsstelle Militarisierung und beschäftigt sich Schwerpunktmäßig u. a. mit der Strategischen Kommunikation von Nato und EU.



21. August 2017 | 19 Uhr | Kollektiv Café Kurbad „Jungborn“, Sternstraße 20 | Marius Pletsch (IMI): Deutsche Aufrüstung und der Weg zum europäischen Drohnen-Projekt

Die Entscheidung für eine Übergangslösung in Sachen Drohnen wurde vom Bundesverteidigungsministerium Anfang 2016 getroffen. Auch Deutschland soll nun ab 2019 bewaffnungsfähige Drohnen des Typs Medium Altitude Long Endurance (kurz: MALE) einsetzen können. Ab 2025 sollen dann weitere Exemplare einer neuen Drohne zur Flotte der Bundeswehr hinzukommen, die mit europäischen Partnernationen entwickelt und produziert werden soll. Diese Drohne soll sowohl in den Regionen eingesetzt werden, in denen die europäischen Staaten schon heute militärisch aktiv sind, als auch im europäischen Luftraum, zur Überwachung und Migrationsbekämpfung.
Marius Pletsch studiert Politikwissenschaften und Philosophie an der Universität Trier und beschäftigt sich seit 2015 für die Informationsstelle Militarisierung (IMI) mit Drohnen und deren militärischen Einsatz.



4. September 2017 | 19 Uhr | Universität Kassel, Nora-Platiel-Str. 6 Raum 0211 | Michael Schulze von Glaßer (DFG-VK/IMI): Der neue Werbefeldzug der Bundeswehr

„Mach, was wirklich zählt“ – mit diesem Spruch wirbt die deutsche Armee um die Gunst junger Menschen. Denn zum einen fehlt es der Bundeswehr heute um Nachwuchs für die weltweiten Militärinterventionen, zum anderen mangelt es auch allgemein in der Bevölkerung um Zustimmung für die Auslandseinsätze. Daher ist die Bundeswehr-Öffentlichkeitsarbeit so aktiv wie nie: Bei eigenen Veranstaltung präsentiert sich die Bundeswehr als schlagkräftige Truppe für Abenteuersuchende; Mit eigenen Medien wird die eigene politische Ausrichtung bestärkt und versucht Einfluss auf die öffentliche Sicherheitsdebatte zu nehmen und in Werbung in zivilen Medien wirbt die Bundeswehr unter dem Motto „Ausbilder von Vorbildern“ mit ihren Sportsoldatinnen und -soldaten – und blendet dabei ihren militärischen Charakter vollständig aus.
Der bebilderte Vortrag wirft einen kritischen Blick auf den „Werbefeldzug“ der Bundeswehr und klärt über die Hintergründe auf. Anschließend bleibt Raum für eine auch kontroverse Diskussion.
Michael Schulze von Glaßer (*1986) ist Politikwissenschaftler (M.A.), Beirat der „Informationsstelle Militarisierung“ und hat mehrere Bücher über Armee-Propaganda verfasst. Weitere Informationen: www.schulze-von-glasser.eu



VeranstalterInnen: DFG-VK Bildungswerk Hessen, A&O-Gruppe Kassel, AStA der Uni Kassel, AK Zivilklausel der Universität Kassel, DFG-VK Gruppe Kassel/Nordhessen