Die Forderung nach gesellschaftlich nützlichen Produkten und sozialverträglicher Rüstungskonversion ist ein wichtiges Anliegen von Friedensbewegung, Friedensforschung und Gewerkschaften. Der biblische Ausdruck Schwerter zu Pflugscharen (nach dem Buch Micha 4,1-4), eines der ältesten Sinnbilder für Rüstungskonversion, wurde in den 1980er-Jahren zu einem Symbol der Friedensbewegung in Ost und West.
Nach dem Ende des Kalten Krieges und bedingt durch eine intensivere Beschäftigung mit diesem Thema ergab sich mit der Verwertung militärischer Liegenschaften ein zweiter Schwerpunkt, bei dem auch tatsächlich beachtliche Erfolge erzielt werden konnten. Auch die Umwidmung von Forschungsmitteln, die Auflösung ganzer Armeen und die Integration der ehemaligen Soldaten in den zivilen Arbeitsmarkt gerieten in den Fokus der Konversionsforschung. Deshalb nutzt man seitdem die erweiterte Begriffsdefinition für Konversion als die Umwidmung aller bisher militärisch verwendeten Ressourcen für zivile Zwecke.

Rüstungskonversion und Kommunalpolitik / Stadtplanung
Frühere Kasernen der Bundeswehr, der Nationalen Volksarmee der DDR und der Alliierten wurden nach 1989 geschlossen und Wohnsiedlungen wie der MLK-Park im Mainzer Stadtteil Hartenberg-Münchfeld entstanden. In Bremen wurde die ehemalige Kaserne Vahr zum neuen Polizeipräsidium und die Kaserne Bremen-Grohn die neue Internationale Jacobs Universität.
In Kassel gilt der neue Stadtteil Marbachshöhe als eine in ganz Deutschland geachtete Erfolgsgeschichte der Konversion militärischer Liegenschaften. Der Campus der Universität Kassel am Holländischen Platz benutzt seit den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts die Flächen und Gebäude der Firma Henschel, die hier seit 1810 Waffen produziert hatte.

Die Umwandlung von Militärgütern zu Zivilgütern
Da nach Kriegen oft ein Rohstoffmangel auftritt, versucht das Handwerk und die Industrie, ihren Rohstoffbedarf mit ausgemusterten Militärgütern zu decken. Militärgegenstände werden in der Folge zu zivilen Gebrauchsgütern umgearbeitet. So wurden etwa ab Mitte 1945 – sehr öffentlichkeitswirksam in den Kino-Nachrichten zu sehen – aus alten Stahlhelmen emaillierte Durchschläge und aus Gasmaskenbüchsen emaillierte Milchkannen für den Haushalt hergestellt. Weiter produzierte man Kerzenleuchter und Aschenbecher aus Granatteilen, Mäntel aus umgefärbten Uniformen und viele andere Objekte des täglichen Bedarfs. Noch heute sind sie sowohl im Gebrauch als auch inzwischen in manchem Museum zu finden.
Heute ist es oft schwieriger, die vorhandenen Militärgeräte einer zivilen Verwendung zuzuführen. Beispielsweise erschwert der hohe Asbestgehalt in Panzern die Umnutzung zu Löschpanzern zur Bekämpfung von Waldbränden. Auch der Einsatz des giftigen Cadmiums zur Verhinderung von Korrosion macht eine zivile Verwendung nicht einfach. Es ist daher oft billiger, die vorhandenen militärischen Produkte zu verschrotten und mit den bestehenden Produktionsanlagen neue Produktideen umzusetzen.