Rüstungskonversion bezeichnet in erster Linie die Umstellung industrieller Betriebe oder ganzer Industriezweige der Rüstungsproduktion auf eine zivile Fertigung. (hier weiterlesen >> >> >>)

Konversion der Rüstungsindustrie im ursprünglichen Sinne
Die politische Forderung zur Rüstungskonversion wurde seit den 1970er Jahren in der Friedensbewegung und Teilen der bundesdeutschen Gewerkschaften lauter: Man forderte die Umstellung der deutschen Rüstungsindustrie auf die Produktion ziviler Güter.
Das entpuppte sich alsbald als das Bohren dicker Bretter. Die Unternehmensleitungen und Eigentümer sahen in Konversionsvorschlägen nur den (tatsächlichen / vermeintlichen ?) Machtverlust. Deswegen wurden und werden Vorschläge oft ungeprüft und brüsk abgelehnt.

Lucas Aerospace
Im Januar 1976 stellten Beschäftigte des britischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns Lucas Aerospace einen Plan für eine alternative Produktion vor. Statt Blindflug-Systeme für Militärflugzeuge wollten sie lieber Sichthilfen für Blinde bauen. Das war nur ein Vorschlag von über150 Ideen, die aus den Reihen der Belegschaft und nicht zuletzt mit der Kraft der gewerkschaftlichen Vertrauensleute rund um Mike Cooley innerhalb nur eines Jahres entwickelt worden waren. Der Lucas-Plan ( -> open link in new tab) ist immer noch ein Hit. In dessen Nachfolge erarbeitete ein Arbeitskreis bei der Hamburger Werft ‚Blohm + Voss‘ ähnlich einleuchtende Konversionsideen.
Ein Rückblick ( -> open link in new tab) zeigt nochmal die besondere Bedeutung des Lucas-Plans.

Auch die „konkreten Alternativen für die Produktion“ von Edgar Einemann und Edo Lübbing von 1986 sind immer noch mit Gewinn zu lesen.

Kassel
Im Jahre 1988 vergab die damalige Gesamthochschule Kassel einen Werkauftrag an Thomas Vollmer, der die Aufgabe hatte, konkrete Konversions- bzw. Diversifikationsvorschläge für die zwei großen Rüstungsfirmen in Kassel zu entwerfen.

Auch die documenta 13 im Jahre 2012 beschäftigte sich mit der Produktion der Firma ‚Henschel und Sohn‘ und insbesondere mit deren Tiger-Panzern. Auf dieser Seite sind die Unterpunkte ‚Air‘, ‚Ground‘ und ‚Animals‘ besonders hervorzuheben; unter ‚Animals‘ u.a. eben auch spannende Interviews als Audio-Aufnahmen.
Aktionen im Rahmen der documenta 13 (2012)

weitere Stellungnahmen:

Die Linke
Die Katholische Kirche
Die Evangelische Kirche
Das Kasseler Friedensforum /Friedensratschlag
Die AG Zivilklausel an der Uni Kassel

Die heutige Situation ähnelt immer noch der Lage von vor 40 Jahren. Auch ein an sich aufgeschlossener Gewerkschafter kann nicht darüber hinwegtäuschen. Dabei hört man dann Sätze wie: „Wir wollen nicht die Waffenexporteure dieser Welt sein.“ und: „Die Margen in der Rüstungsindustrie sind sehr hoch.“ Umgangssprachlich nennt man diese Sprachakrobatik „Herumeiern“.

Fraglos zustimmen kann man aber ganz sicher dem letzten Satz des Interviews: „Im Kapitalismus ist es nun mal so, dass man nichts geschenkt bekommt, sondern um seine Positionen kämpfen muss.“

bedeutsame Rüstungsbetriebe in Kassel:

Krauss-Maffei Wegmann GmbH & Co. KG (KMW)
gehört zu: ‚KMW and Nexter Defense Systems (KNDS)‘

(mind. 3 Standorte)
(1) Wolfhager Straße 32-40
200m Luftlinie von der Uni in der Wolfhager Straße auf der rechten Seite, hinter der langen Plakatwand.
(2) August-Bode-Straße 1
In der Kurve der Wolfhager Straße direkt vor der Brücke auf der linken Seite (stadtauswärts). Schild mit KMW-Logo, ansonsten recht unscheinbar.
(3) Wolfhager Straße 69
Die Gebäude liegen zwischen den beiden anderen, auf der linken Seite stadtauswärts an der Ecke Reuterstraße

KMW unter der Lupe
Eine Minute für Isabell Glinicke ( -> open link in new tab)

Produkte:
Instandsetzung und Modernisierung des Kampfpanzers Leopard 2 (dies ist insbesondere vor dem Export bedeutsam)
Ausstattung des Leopard 2 zum ‚Leopard 2 A7+‘ (spezialisiert für den Häuserkampf)
Panzerhaubitze 2000
die Türme für alle Leopards

Das KMW-Hauptstadtbüro ( -> open link in new tab) befindet sich am Berliner Platz in Berlin.

Rheinmetall Defense als Zusammenlegung von
Rheinmetall MAN Military Vehicles GmbH (RMMV) und Rheinmetall Landsysteme GmbH (RLS)

unscheinbar im Industriepark Mittelfeld nördlich des Hauptfriedhofs (die Holländische Straße raus, dann auf der linken Seite), allerdings dort mit einer großen Panzerteststrecke. U. a. dient diese Panzerteststrecke auch der Anwerbung von Fachkräften : Interessenten und Bewerber können – als kostenlose „Testfahrt“, in einem Spezialfahrzeug deklariert – selber einen Fuchs-Transportpanzer fahren.

Produkte:
Schützenpanzer Marder
Transport-Rad-Panzer Fuchs (einschl. der Spezialvariante zur Erkennung von ABC-Waffen)
Transportfahrzeug Boxer

PSM (Projekt System & Management GmbH) Joint Venture von Rheinmetall und KMW

Wilhelmshöher Allee 262
Produkte:
Das einzige „Projekt“ ist die Entwicklung und Planung des Schützenpanzers Puma.

Ende 2016 wurden Pläne von Rheinmetall bekannt, im Ort Karasu am Schwarzen Meer in der Türkei unter dem Namen „Rheinmetall BMC Suvunma Sanayi (RBSS)“ eine Panzerfabrik zu bauen. RBSS ist ein Gemeinschaftsunternehmen aus 40 % deutschem, 25 % türkischem, 25 % katarischem und 10 % malayischem Kapital. Rheinmetall selbst weigert sich, das Geschäftsfeld dieser „Fahrzeugfabrik“ zu nennen.

Die drei aufgeführten Betriebe (KMW, Rheinmetall und PSM) haben z. Zt. zusammen rund 2250 Beschäftigte)

Wie lebt es sich denn eigentlich so in Kassel ? ( -> open link in new tab)
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weiterführende Literatur zu Rüstungsbetrieben und zur Rüstungskonversion in Kassel hier weiterlesen >> >> >>